Damaszenerstahl

Der Begriff Damaszener Stahl
(von arabisch dimašq, Name der Stadt Damaskus) wird heute gängig für zwei verschiedene Begriffe in der traditionellen Kunst der Stahlanfertigung verwendet. Überwiegend wird Damaszener Stahl mit der Herstellung von Schwertern in Verbindung gebracht, wobei entsprechend dem älteren Schmiedeverfahren (Stahlverbund) die Klingen auch als gefaltet bezeichnet werden. Später wurden aus Damast auch die Läufe von Schusswaffen, Schilde und Rüstungen sowie Gegenstände des täglichen Gebrauchs angefertigt, wobei eher deren dekorativer Charakter im Vordergrund stand. Richtiger wäre eine Unterscheidung in mechanische und chemische Stahl-Eisen-Gemische wie dem „Orientalischen“ Damast (chemisch) und seiner z. B. abendländischen Nachahmung durch die merowingische Schmiedetechnik des Faltens (mechanische Verbundtechnik).


Im Grunde beschreibt Damaszener Stahl einen Verbundwerkstoff aus Stahl und Eisen. Die frühmittelalterlichen „wurmbunten“ Schwertklingen der Merowinger werden als die ersten uns überlieferten Beispiele eines Eisen-Stahl-Verbundwerkstoffs in Europa erachtet. Jüngste archäologische Bemühungen weisen jedoch diese Kombination auch schon in römischen Klingen nach, wobei solche aufgrund ihres Alters oft stark verwittert sind, was Untersuchungen erschwert. Die mechanische Damasttechnologie kannten schon die Wikinger, Alemannen und Franken. Auch das in Port am Bielersee gefundene und heute im Landesmuseum aufbewahrte Schwert aus der Keltenzeit zeigt 34 Lagen aus Eisen und Stahl, wobei hier die Härte durch den Phosphorgehalt bestimmt wird.

Der Damaszenerstahl „orientalischer“ oder „chemischer“ Art wurde sicher nicht in Damaskus erfunden. Die syrische Metropole gab der Verbundschweißtechnik zwar wahrscheinlich den Namen. Jedoch nicht, weil dort das Schmiedehandwerk blühte, sondern weil sich dort jahrhundertelang der orientalische Waffenhandel konzentrierte. Von dort brachten aber europäische Händler die Kunde dieses bemerkenswerten Werkstoffs in den Westen. Und so verbindet man noch heute in der westlichen Kultur Stahl-Eisen-Gemische mit dieser Stadt. Die Bezeichnung "Damasstahl" wird allerdings mitunter auch auf das arabische Wort für 'Wasser' - 'Damas' zurückgeführt - die typischen Muster im Damasstahl gleichen denen fließenden Wassers.

Die besten Damaszenerschwerter wurden in Persien aus indischem Stahl gefertigt; sie blieben bis weit ins 19. Jahrhundert hinein nahezu ein Monopol des islamischen Kulturbereichs. Von einer solchen Klinge berichtete aber schon 540 n. Chr. der persische Dichter Imru'ulquais; er verglich ihre Oberflächenstruktur sehr treffend mit den Spuren einer wellenartig vorrückenden Armee von Ameisen. Es dauerte sehr lange, bis die westlichen Metallurgen das Geheimnis dieser Technologie lüften konnten. Weil sie auf die mechanische Verbundtechnik der Merowinger fixiert waren, entging ihnen die „chemische“ Technologie des orientalischen Damaszenerstahls. Er weist gesamthaft einen sehr hohen Kohlenstoffgehalt von 1,3 bis 2 Prozent auf. Dennoch ist er nicht spröde, weil der Kohlenstoff auf zwei Phasen verteilt ist. Einmal sehr kohlenstoffreiches, nahezu eutektisches Gusseisen, das den niedrigsten Schmelzpunkt im System Eisen-Kohlenstoff aufweist. Dazu kommt der beim Atzen (Ätzen) dunkel erscheinende, gewöhnliche Stahl mit relativ geringem Kohlenstoffgehalt. Eine feine Verteilung dieser beiden Phasen erhielt man ausgehend vom porösen Schwamm, der bei der Reduktion von Eisenerz mit dem von glühender Holzkohle abgegebenen Kohlenmonoxid entstand. Er wurde im festen Zustand mit flüssigem, einen um etwa 300 Grad niedrigeren Schmelzpunkt aufweisendem Gusseisen infiltriert. Dies ließ sich auf zwei Arten durchführen: Entweder belud man den Oberteil des Tiegels mit Holzkohle, die lokal das Eisen so stark aufkohlte, dass es schmolz und den darunterliegenden, wegen des geringen Kohlenstoffgehalts nicht schmelzenden, porösen Stahl imprägnierte. Der Tiegel konnte auch mit zuvor hergestelltem Gusseisen und Eisenschwamm beschickt werden; beim Erhitzen schmolz ersteres und drang in den Schwamm ein. Eine weitere Variante bestand im Beladen eines mit flüssigem Gusseisen gefüllten Tiegels mit Stahllamellen oder -kügelchen, die durch Verschmieden von gewöhnlichem, kohlenstoffarmem Eisenschwamm erhalten wurden. Nach dem Erstarren wurde das Eisen-Stahl-Gemisch bei niedriger Temperatur verschmiedet, um die Diffusion des Kohlenstoffs vom Eisen in den Stahl zu minimieren.

Im Gegensatz zu den merowingischen Klingen wurde orientalischer Damast nur ausnahmsweise durch Falten und Verdrillen bearbeitet. Schon der große Bergmann und Metallurge Georg Agricola (1494-1555) erwähnte in seinem Monumentalwerk „De re metallica“ die Technik des Verbundes von Stahl mit Gusseisen ohne volles Aufschmelzen des Stahls, doch wurde dies in Europa nicht zur Kenntnis genommen. Vielmehr versuchte man dort jahrhundertelang mit großer Verbissenheit, den orientalischen Damast durch Verschmieden von Eisen und Stahl nachzuahmen. Dabei erhielt man durch feinste Verteilung der beiden Phasen sehr interessante Werkstoffe, aber natürlich keinen chemischen Damast.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Damaszener_Stahl